Städtetripp nach Prag

Aufgrund des dringenden Anratens einer guten Freundin von mir, entschied ich mich dieses mal für eine Reise mit dem Fernbus. Der Grund: in Prag herrscht dringender Parkplatzmangel! Also dachte ich mir, reise ich entspannt mit dem Flixbus von Leipzig in die tscheschiche Hauptstadt.

Ist eine Reise mit Flixbus empfehlenswert?

Entspannung? Fehlanzeige. Der Bus kam über eine halbe Stunde zu spät! Als er endlich da war, nahm ich meinen Platz ein. Diesen wählte ich leider vollkommen falsch, denn vor mir nahm eine Familie mit Kleinkind Platz. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich habe absolut nichts gegen Kinder! Aber nach 2,5 Stunden lautstarkem Ningeln kam ich mit starkem Kopfweh und gefühltem Tinitus an meinem Ziel an.
Dass die Toiletten in Fernbussen nicht zu empfehlen sind, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Auch eine Reservierung könnt ihr euch sparen, da dies nicht kontrolliert wird. Wenn ihr dann noch wie ich einen Fahrer habt, der während der Fahrt mit Handy am Ohr telefoniert, ist das Chaos perfekt.

Mein Flixbus-Fazit: ich nehme das nächste mal das Geld für ein Parkhaus in die Hand und fahre wieder selbst!

 

Zum Glück ist dies der einzige negative Bericht des ganzen Ausflugs ;) Das Hotel, von dem ich mir leider den Namen nicht habe merken können, war super und lag direkt an der Nähe einer U-Bahn-Station, von wo aus man schnell in der Innenstadt war.

Städtepass

Mein wichtigstes Utensil in der tscheschichen Hauptstadt war meine Prag-Card. Hierbei handelt es sich um elektronische Pässe, die inzwischen in sehr vielen Städten erhältlich sind. Damit kommt ihr in die wichtigsten Sehenswürdigkeiten "kostenfrei" rein und erhaltet an gewissen Stationen kleine Präsente. Zudem ist immer eine kleiner Reiseführer bei. Warum schreibe ich das kostenfrei in Anführungszeichen? Natürlich müsst ihr die Karte bezahlen. Ihr könnt auswählen, für wie viele Tage ihr sie benutzen wollt. Die Zeit läuft ab der ersten Nutzung. Wenn ihr Clever plant und rechnet, könnt ihr damit nicht nur jede Menge Geld, sondern auch Zeit beim Eintritt sparen!

Spaziergang durch das jüdische Viertel

In Prag betrat ich meine 1. Synagoge. Das war etwas, worauf ich mich besonders freute. Insgesamt wurden es bei meinem langen Spaziergang durch das geschichtsträchtige jüdische Viertel 3 Stück an der Zahl. Alle hätten nicht unterschiedlicher sein können. Die Pinkas Synagoge liegt direkt am alten jüdischen Friedhof, der mit seinen verfallenen Grabsteinen unbedingt auch einen Besuch wert ist. Die Wände der Synagoge sind über und über beschrieben mit Namen aller tschechischen und mährischen Juden, die Opfer der nazionalsozialistischen Verfolgung wurden. Wenn man inmitten dieser Mauern steht, wird einem das Ausmaß der ganzen Katastrophe sehr deutlich. Ein trauriges und bedrückendes Gefühl.
Ganz anders war es in der Jerusalem Synagoge, die schon von außen eher den Eindruck von einer bunten Disney-Kulisse á la Alladdin machte. Drinnen ging es so weiter. Es schienen, als würden fliegende Teppiche aus 1001 Nacht die Wände bedecken. Gold und Bling-Bling soweit das Auge sah. Mittendrin standen zahlreiche Informationstafeln, auf denen man sich über verschiedene geschichtliche Ereignisse der jüdischen Vergangenheit belesen konnte.
Die Altneu-Synagoge war dann schon eher so, wie ich mir ein solches Gebäude vorgestellt hätte und glich innerlich einer alten Kirche. Interessant war es auf jeden Fall überall.

Auf Kafkas Spuren

Als eine der überragensten Sehenswürdigkeiten war der Besuch des St. Veits-Doms natürlich ein Muss - wie augenscheinlich für jeden Touristen. Ich rate hier dringend, vor Öffnung da zu sein, um zu langes Schlangestehen zu vermeiden. Der Dom erinnerte mich mit all seinem protzigen Prunk an die St. Patricks Cathedral in Dublin. In keinem dieser Bauwerke hätte Jesus gepredigt. Für mich hat das eher etwas mit Museen als mit Gotteshäusern zu tun und war eher ein Haken auf meiner To-Do-Liste als ein wirkliches AHA-Erlebnis. Ähnlich verhält es sich mit dem Alten Königspalast, der  mir nur ein müdes Kopfschütteln entlockte. Ruine trifft es wohl eher. Dafür war der Besuch im Goldenen Gässchen umso lohnenswerter! Zwischen all den kleinen nachgebauten Häuschen von damals, konnte man auch Einblick in Franz Kafkas Stübchen werfen. Die kleinen Wohnungen sind liebvoll und detailliert nachgebaut, sodass sich Besucher unschwer in das Leben von damals hineinfühlen können. Vom Kafkaschen Charme angesteckt, kaufte ich mir in einer hiesigen Buchhandlung eines seiner Werke "Briefe an den Vater", welches ich Abend für Abend im Hotel verschlang und Rotz und Wasser dabei heulte.

Karlsbrücke und Co.

Wenn man über alle Sehenswürdigkeiten Prags berichten wöllte, würde man kein Ende finden. Die "goldene Stadt" hat ihren Namen völlig zu Recht und einiges zu bieten. Eins meiner absoluten Highlights war der wunderschöne Sonnenuntergang, den wir auf der Karlsbrücke genießen durften. Hier tummelten sich Straßenmaler und Musikkanten. Einen großen Minuspunkt erhält der Platz für den Typen, der mit seiner riesigen Schlange Geld gemacht hat, indem die Leute sich damit fotogrieferen konnten. Das ist nichts als Tierquälerei und mir tut es in der Seele weh, das mitansehen zu müssen. Mehr als den Mann mit meinen Blicken anzufeinden konnte ich jedoch nicht tun, denn es scheint in Tschechien leider erlaubt zu sein. Natürlich machte ich von meinem freien Wunsch gebrauch, indem ich eine Statue der Karlsbrücke berührte und mir etwas wünschte. Ich darf euch mitteilen, dass dieser Wunsch 5 Monate später in Erfüllung ging :)

 

Besonders gefreut habe ich mich auch auf meinen ersten Besuch in einem echten Madame Tussauds. Leider wurde ich schwer enttäuscht. Zwar waren die Figuren schon echt gemacht, aber für die Hälfte des Geldes haben wir in Dublin viel mehr gesehen in einem nachgemachten Wax-Museum. Es war nur ein einziger Raum, wir waren in zehn Minuten durch. Dafür bekam ich endlich mein langersehntes Foto mit Lady Gaga XD

Göttlich war die Aussicht vom Dach des Pulverturms, aber für mich mit meiner Höhenangst war es wieder mehr als nur Qual, Stufe und Stufe zu überwinden. Umso stolzer war ich, als ich endlich oben stand. Ich glaube, auf dem Foto sieht man mir den Schock noch etwas an.

 

Ich hatte die ganzen Tage so ein Glück mit dem Wetter, darum habe ich mir noch eine Tretbootfahrt über die Moldau gegönnt. Die Ansicht der Stadt vom Wasser aus, während mir die Sonne auf die Arme schien, war wunderschön. Ich hatte dabei gute Gesellschaft von einem hungrigen Schwan, leider wollte er auf kein Foto ;)

Zu der Stadtrundfahrt kann ich einen Stadtbummel nur empfehlen, wo ihr wundersame Bauwerke wie das "tanzende Haus" in Augenschein nehmen und euch hier und da mit einem Softeis (das beste, was ich je gegessen habe!) den Bauch vollschlagen könnt.

Must-Do in Prag
Kauft euch unbedingt ein Trdlo (keine Ahnung, wie es ausgesprochen wird). Das ist wirklich etwas für die Seele. Ich hatte eins gefüllt mit Vanillesahne und Erdbeeren. Zwar wollten mir etliche Wespen meine Beute streitig machen, dennoch war es ein echter Hochgenuss!


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